Reaktivierte Bahntrasse gilt als Glücksfall

EMMERTHAL. Erst der Sturm zu Jahresbeginn, dann die extreme Trockenheit, der zu allem Überfluss die Borkenkäferkrise folgte – diesen Alarmruf zu der Verkettung dieser Witterungsextreme mit den Folgen für die heimischen Wälder setzten jüngst die Niedersächsischen Landesforsten ab. Die Konsequenzen der Wetterereignisse spürt immer noch das Bisperoder Unternehmen Gebrüder Helmecke GmbH & Co. „Ein Glück für uns, dass uns die reaktivierte Bahnstrecke zur Verfügung steht“, sagt Dr. Malte Borcherding als Geschäftsführer des Betriebs, der auf den Holzhandel und -transport spezialisiert ist. Von Grohnde aus schickte er Güterzüge auf Reisen – vollbepackt mit Holzstämmen, zunächst mit Ziel Österreich, später nach Bayern und in die neuen Bundesländer.

Was im März quasi als Versuchsballon mit 28 Güterwaggons startete, entwickelte sich zur Dauerlösung. Das Holz, normalerweise ein regionales Gut, konnte in den heimischen Sägewerken wegen des hohen Aufkommens nicht verarbeitet werden. Die Kapazitäten – absolut ausgeschöpft. Ausgerechnet bei „einem verderblichen Produkt“, wie es Borcherding nennt. Einlagern, wie es die Landesforsten favorisieren? Nein, der Kostenfaktor, wie der Geschäftsführer sagt. Deshalb die Suche nach neuen Absatzmärkten. Immer wieder stapelten sich die Baumstämme in Grohnde, um auf den nächsten Transport zu warten. Bilanz: Neun Züge starteten von dem Weserdorf aus in diesem Jahr zu Sägewerken – das entspricht rund 14 500 Tonnen Holz, wie Borcherding vorrechnet.

Die WRM-Reese Unternehmensgruppe (Hauptsitz in Rinteln), mit 50 Prozent am Kieswerk Lammert + Reese beteiligt, hatte die Bahnstrecke zwischen Bodenwerder und Emmerthal mit einem Millionenaufwand für ihre Massengüter-Transporte reaktiviert. Voraussichtlich ab dem nächsten Frühjahr sollen dann für sie Güterzüge mit Kies und Sand rollen. Nun also war es zunächst Holz. „Für uns hat sich das definitiv bewährt“, sagt Borcherding. Erleichtert zeigt er sich über die Aussicht, die Bahntrasse im nächsten Jahr weiter nutzen zu können. Entspannung sei nicht in Sicht, um Holz in der Region in den großen Mengen verarbeiten zu lassen.

Der letzte Transport in diesem Jahr ging übrigens von Grohnde nach Skandinavien. Ausgerechnet ein Zielort, wo Holz im Überfluss vorhanden sein müsste. „Die Absatzmärkte haben sich extrem verschoben – eine Entwicklung, die ich so noch nicht erlebt habe“, sagt Borcherding. Und er hofft auf Sicht auf einen Umkehrtrend: „Holz ist und bleibt ein regionales Produkt.“

Mehr zum Thema -